Zum Tod von Dieter Hildebrandt

Dieser Hildebrandt und Gerhard Polt

Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt bei der Buchvorstellung „Biermösl Blosn – Tokio, Kapstadt, Hausen“ im April 2013

 

Als wir mit dem Dieter das erste Mal zusammen engagiert wurden, waren wir ganz ehrfürchtig und aufgeregt. Er war ja für uns der liebe Gott des politischen Kabaretts. Als er uns erzählte, er wohne in einem Vorort von München, waren wir ganz erstaunt. Da war ein Preuße, genauer gesagt ein Schlesier, der so gar nix Preußisches an sich hatte, im Gegenteil: Sein Humor und seine Art waren viel bayerischer als bei so manchem Berufsbayern. Und Schafkopfen konnte er auch noch wie ein Gott! Aber das Schönste: Er war ein unglaublich lebendiger, ehrlicher und warmherziger Mensch, und den zum Freund zu haben, hat unser Leben sehr viel reicher gemacht. Mein Gott, war das immer eine Fetzengaudi und Riesenehre mit dem Dieter aufzutreten, Brotzeit zu machen, ratschen, frotzeln, und von O. M. Graf zu schwärmen, schafkopfen, Fußball oder Tennis zu spielen! Aber in der Ewigkeit geht’s ja wieder weiter …

Stofferl, Michael, Moni, Burgi, Karli und Bärbi (SZ vom 21. November 2013)

 

Nachruf auf Dieter von Stofferl in der Taz vom 21.11.2013:

Kopf und Bauch

Als wir ihn kennengelernt haben, war er der liebe Gott. Seine „Notizen aus der Provinz“ waren die einzige Sendung, die wir gesehen haben. Wir hatten ja keinen Fernseher und mussten immer zum Nachbarn gehen. 1978 standen wir dann zum ersten Mal mit dem Gott des Kabaretts auf der Bühne. Er war optimistisch, lustig, warmherzig und liebenswert. Und er behandelte einen immer auf Augenhöhe.

Der Witz kommt vom Kopf. Der Humor hingegen aus dem Bauch. Er ist etwas Angeborenes. Dieter Hildebrandt hatte beides. „Nicht der ist der Nestbeschmutzer, der auf das beschmutzte Nest zeigt, sondern der, der das Nest beschmutzt“, hat er gesagt. 1980 haben wir mit dem „BayWa“-Lied die bayrische Hymne umgedichtet. Das Lied wurde direkt vor der Neujahrsansprache von Franz Josef Strauß im Fernsehen ausgestrahlt. Danach hatten wir Auftrittsverbot, wegen Verunglimpfung der Hymne, obwohl es nicht mal eine offizielle Hymne war. Dieter Hildebrandt hat uns daraufhin in seine „Scheibenwischer“-Sendung geholt. Die wurde vom Sender Freies Berlin live über die ganze ARD ausgestrahlt, auch in Bayern. Wir konnten unser Lied spielen, und sie konnten es nicht mehr ausblenden.

Dieter Hildebrandt war nie verletzend oder unmenschlich. Er war eine unglaubliche moralische Instanz, ohne ein Moralist zu sein. Man hat sich nicht schlecht gefühlt in seiner Gegenwart, trotz seiner unglaublichen Meisterschaft. Es ist eine Gnade, dass dieser Mensch so alt geworden und dabei so frisch geblieben ist.

CHRISTOPH WELL, BIERMÖSL BLOSN

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