Sie streiten, bis das Hackbrett qualmt

Geschwister Well in Insy (Foto: Matthias Becker)

Christoph Well begeistert als Rapper, der 40 Cent Milchpreis fordert. (Foto: Matthias Becker)

Die Geschwister Well begeistern mit ihrer Familienaufstellung beim Theaterfestival

(Schwäbische Zeitung vom 5.8.2013)

ISNY So stark hat man die Geschwister Well schon seit Jahren nicht gesehen. Die Biermösl Blosn waren hervorragend, auch die Wellküren hatten in der Region viele gute Auftritte. Aber gemeinsam legen die drei Brüder und drei Schwestern noch eins drauf, wie sie am Sonntag im ausverkauften Zelt der Theatertage Isny bewiesen haben. 

Von Dirk Augustin

Von klein auf sind die Geschwister ebenso wie ihre weiteren vier Schwestern und fünf Brüder auf verschiedenen Instrumenten ausgebildet. Und die beherrschen sie perfekt, wie die Ansammlung von Alphörnern, Tuben, Harfen, Hackbrett, Gitarre, Trompete, Nonnentrompete, Dudelsack, Klarinette, Saxophone, Flöten und anderen deutlich macht, die auf der Bühne verteilt liegen. Im Mittelpunkt steht Christoph, genannt Stofferl, der Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern war und der Ausnahmemusiker unter lauter Könnern ist. Anstelle des Biermösl-Bruders Hans ist jetzt der Karl dabei, außerdem die drei Wellküren-Schwestern Moni, Bärbi und Burgi. Dass das im Familienkreis auch Neid hervorgerufen, damit spielen die sechs in ihrem Programm „Fein sein, beieinander bleiben“. Gemäß dem Untertitel „Eine Art Familienaufstellung“ zieht sich der Streit durch den ganzen Abend. Dabei bleibt die Frage, wer denn vor 51 Jahren dem damals drei Jahre alten Christoph einen Schürhaken ins Gesicht geschlagen hat, ungeklärt. Die Zuschauer bekommen aber die verschiedenen höchst amüsanten Versionen geboten. Und dass man mit Instrumenten ohne ein Wort streiten kann, das bewiesen sie quasi nebenbei. Darin unterscheiden sich die sechs Geschwister von den Auftritten der Biermösl früher. Denn solche Einblicke ins Leben dieser für die Volksmusik und das Bayerische insgesamt so wichtige Familie gab es früher nicht. Dabei ist die Familie für außergewöhnliche künstlerische HoÅNhenflüge gut, wie Moni bewies, die ihrem Verflossenen nachschrie: „Der Teufel soll dich holen“, dies – begleitet von Harfe und Zither – während sie auf dem Hackbrett „Highwell to Hell“ der Rocker von AD/DC spielte, bis aus dem Instrument der Qualm aufstieg.

Dann geht’s gegen den Landrat

Aber die Musikgenies hatten zur Begeisterung der Zuschauer noch weitere Knalleffekte dabei. Unübertroffen wohl Stofferls Auftritt als Gangster-Rapper, der beim Millibauern-Rap einen ordentlichen Milchpreis forderte: „40 Cent – oder der Aldi brennt“. Fast drei Stunden lang wechselten sie mühelos von der Stubnmusi zur Fernseh-Volksmusik a la Hansi Hinterseer, von Ravels Bolero zu schottischer Dudelsackmusik, von Richard Wagner („Da brauchts Euch nicht stundenlang in die Oper setzen“) über die Beatles zu „We will rock you“ von Queen“. Auch wenn die alten Feindbilder überprüft gehören: Es ist genug übrig, was die Geschwister der CSU und anderen Großkopferten auf den Weg geben können. Und als die Sechs am Ende dem Bürgermeister, den Immler-Brüdern eins mitgaben, wurde der Applaus nur noch übertroffen, als der Landrat an die Reihe kam: „Gott sei Dank ist der Widmaier nicht Landrat für die Ewigkeit.“

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