Biermösl Blosn Bücher – Zwei-Drittel-Biografie

Biermösl Blosn Bücher – (Süddeutsche Zeitung vom 7. April 2013) Zwei Bücher und ein Publikum, das sich für die eine oder andere Seite entscheiden muss: In München präsentieren Michael und Christoph Well ihre Geschichte der Biermösl Blosn – kurz vor ihrem Bruder Hans. Lustig wird es trotzdem.

Stofferl und Michael Well (Biermösl Blosn)

Foto: Robert Haas

Von Wolfgang Görl
Wer seinerzeit, es dürfte 1976 oder 1977 gewesen sein, in der Kleinkunstbühne MUH in der Hackenstraße saß und zum ersten Mal die Biermösl Blosn mit ihren rotzfrechen Liedern hörte, hätte nicht im Traum daran gedacht, dass mehr als drei Jahrzehnte später zu einer Buchpremiere der drei Brüder ein amtierender Münchner Oberbürgermeister, ein ehemaliger Staatstheaterintendant oder der damals schon fast legendäre Kabarettist Dieter Hildebrandt kommen würden. Genau das ist aber am Sonntagmorgen passiert.

Im Grünen Saal der Augustiner-Gaststätte in der Altstadt feierten einige hundert Gäste das Erscheinen des – wie soll man sagen? – Huldigungs- und Anekdotenbuchs „Biermösl Blosn“, und mittendrin ließen sich OB Christian Ude, der Theatermann Dieter Dorn und natürlich auch Gerhard Polt oder Georg Ringsgwandl die Gratis-Weißwürscht und das Gratis-Bier schmecken. Sie und viele mehr hatten mitgeschrieben bei dem formidablen Buch, das mit historischen Fotos aus dem Biermösl-Archiv Michael Wells illustriert ist.

Aber schon ist man gezwungen, sich zu korrigieren. Es ist nicht das Buch der drei Brüder Hans, Michael und Christoph Well. Das Trio hat sich entzweit, und es hinterlässt ein Publikum, dass sich nun für die eine oder die Seite entscheiden muss, am besten aber für beide. Dies ist das Buch von Christoph und Michael Well. Das Buch des älteren Bruders Hans („35 Jahre Biermösl Blosn“) erscheint in Kürze. Und so gab es dann auch einen kleinen Seitenhieb in Richtung des Älteren, als Michael Well bei der Begrüßung wissen ließ: „Der Hansi hat mehr autobiografisch geschrieben. Wir wollten ein Buch, wo weniger ,ich‘ vorkommt und mehr ,wir‘.“

Dies nur nebenbei, denn es sollte ja lustiger Vormittag werden – und das wurde er auch. Verleger Peter Haag vom Züricher „Kein & Aber“-Verlag gab schon mal den Ton vor, als er feststellte, Bayern und Schweizer hätten viele Gemeinsamkeiten, mit einer Ausnahme: Die Schweiz sei eine Demokratie. Die junge Herausgeberin Claudia Pichler, die für ihr wunderbares Münchnerisch einen Sonderapplaus verdient gehabt hätte, konterte souverän: „Zürich is scho schee, aber München is do no scheena.“

Was folgte, waren Musik und Gesang der Well-Familie in All-Star-Besetzung (ohne Hansi, versteht sich) sowie der Reigen der Autoren. Michael Skasa verlas seine Erinnerungen an die Zeit, als der Bayerische Rundfunk die Biermösl Blosn entdeckte und ob der nicht immer gott- und CSU-gefälligen Verse von einer Verlegenheit in die nächste stürzte. Nach dem Erscheinen der textlich leicht überarbeiteten Bayern-Hymne („Gott mit dir du Land der BayWa“) war dann für lange Zeit Sendepause.

„Wellküre“ Moni entlarvte ihren Bruder Christoph, den Stofferl, als die „größte Rampensau von uns allen“, und der schottische Hornist und „Blechschaden“-Gründer Bob Ross lieferte einen Beleg für die These, Briten seien witzige Menschen. Als die Blosn bei Ross‘ Hochzeit in England spielte, seufzte der Schwiegervater: „Mein Gott, fünf Jahre lang haben wir die Germans im Krieg bekämpft, und nun sind sie in meinem Garten und musizieren.“

 

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